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Partnerschaftsfahrt nach Frankreich 2009

 20 Jahre sind seit dem ersten länderübergreifenden Beschnuppern vergangen.
»Wunderschön war diese Zeit, wir sind aber auch um so viele Jahre älter
geworden«, resümierte Jacques Benoist, einer der Gründungsväter der
Johannesberger Partnerschaft mit den insgesamt neun Gemeinden in der
Normandie, mit etwas Wehmut. Alleine die Fahrten waren jedesmal mit einer
besonderen, nicht einkalkulierten Variante bestückt.
Das war auch dieses Mal der Fall.

Mit einem nagelneuen Doppeldecker der KVG und 47 Teilnehmern
- darunter 9 Jugendlichen - machten sich die Johannesberger zur Bürgerfahrt
frühmorgens an Christi Himmelfahrt auf den Weg. Der Himmel lachte und die
Stimmung war bestens. Die meisten Fahrgäste sind seit Beginn dabei,
wissen diese deutsch-französische Partnerschaft zu schätzen und möchten sie
nicht mehr missen.
Die französischen Familien sind nämlich Teil ihres Lebens geworden.
Zum ersten Mal interessierte sich am Grenzübertritt die Polizei für den Bus,
aber - wie erwähnt - er war ja nagelneu und somit herrschte bei allen
geduldige Gelassenheit.

Schon lange wird auf den jährlich abwechselnden Partnerschaftsfahrten
das Interesse für die europäische Geschichte geweckt und vertieft.
Darin liegt wohl auch der Grund, weshalb die Organisatoren mit der
Zeit das Programm immer perfekter gestalteten.
Im Pariser Nobelviertel angekommen gab es im Zentrum der Aschaffenburger
Partnerstadt »Saint-Germain en Laye« einen Zwischenhalt.
An der Residenz mit seiner wunderschönen Parkanlage war von einer
deutschen Fremdenführerin viel über die französische Geschichte
zu erfahren und dass der Sonnenkönig, Ludwig der IV. nahe dem
»Château vieux« das Licht der Welt erblickt hat. Zwei Stunden mussten
aber für den historischen Schnellkurs genügen,
denn noch waren knapp 300 Kilometer zurückzulegen.

Unmittelbar vor dem Ziel »Troint Mont« (übersetzt mit »Drei Berge«),
seit 1996 die neunte französische Partnergemeinde, mussten aber die
Johannesberger erst einmal »gewachsene« Hindernisse beseitigen.
Auf den schmalen Wegen, die gerade für den Bus ausreichten,
mussten die entgegenkommenden Traktoren großräumig ausweichen.
Da der Doppeldecker zudem die »normale« Höhe überschritt, gab es mit
einem Mal kein Weiterkommen mehr.
Mangels Hand- oder gar Motorsäge herrschte zuerst tiefe Ratlosigkeit. Was tun?
Es ging weder vor und schon gar nicht mehr zurück. Über das ein oder andere
Portable (Handy) wurde erfragt, wo denn der schon längst angekündigte B
us bleibe. Kurzerhand wurde das ausfahrbare Scheibenwaschgestänge aus
dem Gepäckraum des Busses herausgeholt, das Gehölz in greifbare Nähe
beigezogen und mit vereinten Kräften (Bürgermeister Peter Zenglein
und Altbürgermeister Michael Rosner) zerbarst der armdicke Ast.

Sehnsüchtig erwartet war der Empfang vor dem Festsaal mit Küsschen
linke - rechte Wange, einem »Ca va« und Erfrischungen wiederum
äußerst herzlich. Der Abend gehörte den Familien.
Groß ausschlafen war nicht Bestandteil des Programms, denn schon
frühmorgens am Freitag freute man sich auf einen Spaziergang durch
das einst künstlich geschaffene Seebad Cabourg mit seinem Küstenabschnitt
»Côte Fleurie« (Blumenküste). Am Ärmelkanal zog es die Jugend an den
kilometerlangen Strand, sie entledigten sich ihrer Schuhe und Strümpfe und
genossen das noch etwas kühle Meerwasser. Auf den Treppen einer früheren
Fabrikanlage, jetzt völlig neu umgebaut, vor sich den Jagdhafen mit seinen
teuren privaten Segelschiffen, war Picknick im Herzen von Dives sur Mer
angesagt. Die Franzosen hatten einige Spezialitäten in die vorgekühlte
Tragetasche eingepackt. Mit Schinken und anderen Delikatessen belegten
Baguettes, auch als französische »Stöckchen« bekannt, wurden Gurken,
Tomaten, verschiedene Käsesorten und Kuchen ausgepackt und gereicht.
Mit Wasser und Rotwein lebten die »Vorspessarter« wie Gott in Frankreich.
Das ein oder andere Gesicht hätte bei der stechenden Sonne und der
kühlen Brise wahrlich eine schützende Milch vertragen. Der Abend brachte
aber die Röte noch an den Tag, stellte der ein oder andere mit »Spannung«
an den sichtbaren Hautstellen fest.

Gestärkt mit den Feinheiten der Normandie lautete am Nachmittag das
nächste Ziel die faszinierende Künstler- und Hafenstadt »Honfleur«.
Eine kleine Schiffsfahrt durch das Hafenareal brachte aufgrund manch
hoher Wellen bei den Wendemanövern unverhoffte, weil nasse Abkühlung.
Mehr aber konnte nicht ein, sondern das Meisterwerk der Ingenieursbaukunst
bewundert werden. Die 1995 eingeweihte Brücke »Pont de Normandie« ist
immer noch eine große Sehenswürdigkeit. Das Passagierschiff musste mehrfach
unten durch fahren, um alle Details erklären zu können. »Honfleur«, das wissen
die Johannesberger, ist nicht nur einen einzigen Besuch wert. Der langen
Wege nicht genug und in »Troint Monts« wieder angekommen,
fuhren die ein oder anderen mit den Privat-Pkws wieder in Richtung Ärmelkanal
zurück, um noch zu später Stunde »Früchte des Meeres« oder »Fleischiges«
genießen und zu sich nehmen zu können. Was einem aufmerksamen Zuhörer
auffiel, die französischen Ehepaare sprachen deutsch und die deutschen Paare
untereinander französisch. Das hätte es noch nicht einmal vor 10 Jahren gegeben.
Die Partnerschaft zeigt also auch sprachlich ihre Wirkung.

Die Samstagabende sind bei den Partnerschaftsbegegnungen immer
in die Kategorie »Offiziell« einzuordnen. Aber erst ging es mit dem Bus
wieder auf kleine Fahrt in die normannische Schweiz mit ihrer sehr
abwechslungsreichen Landschaft nach Clecy.
Auf dem »Orne«-Fluss, der dort vielen Gemeindenamen beigegeben ist,
wurde die Möglichkeit zum Tretbootfahren geboten.
Nur einfach locker auf dem Flussufer Spazierengehen wurde aber genauso
- insbesondere von den Älteren - als eine schöne Idee empfunden.

Christine Marie, die Vorsitzende des französischen Partnerschaftskomitees, begrüßte
am großen gemeinsamen Abend im vollbesetzten Festsaal von Vacognes-Neuilly
alle Gastfamilien. Aufgrund einer Besonderheit nahm der offizielle Teil einen großen
Rahmen in Anspruch: Zum ersten Mal war nach 20 Jahren der ersten Begegnung
kein einziger Bürgermeister aus der Gründungszeit mehr im Amt.
Die Vorsitzende begrüßte Peter Zenglein und bedankte sich ganz herzlich,
dass er durch seine Anwesenheit belege, er mache sich die Partnerschaftsidee zu eigen.
Anders wie in Johannesberg wird dort die Partnerschaft von einer Art Vereinsring getragen,
dem neun Gemeinden angehören. Die Bürgermeister der neun Gemeinden hatten ebenfalls
die Einladung angenommen (in Klammern die Ortschaften):
Monsieur Delaunay (Maisoncelle sur Ajon), Monsieur Emmanuel Massu (Montigy)
Monsieur Sylvain Colineau (Amayé sur Orne), Monsieur Gérard Lecorsu (Maizet),
Monsieur Michel Bannier (Vacognes-Neuilly), Monsieur Christophe Braud (Préaux-Bocage),
Monsieur Sylvain Morel (Trois-Monts), Monsieur Gérard Lemoine (Avenay) und
Monsieur Noël Vautier (Sainte Honorine du Fay).

Hildegard Rosner, die Vorsitzende des Johannesberger Partnerschaftskomitees,
bekannte in ihrer Ansprache, dass es eines zwischenmenschlichen Miteinanders in
guten wie in schlechten Zeiten bedürfe. So manches kleine Malheur, das in der
Vergangenheit passiert ist, erzeuge heute noch manchen Lacher. Zweifelnd sei sie
gewesen, als die ersten gemeinsamen Gehversuche im Treffen am 12. März 1988
unternommen worden sind und Jacques Benoist, damals 1. Vorsitzender
des »I.C.L Val Orne Ajon«, im Steinbacher Restaurant »Berghof« das hohe Lied
der Partnerschaft angestimmt hat. Unsicher sei sie gewesen, als die Johannesberger
damals nach 16-stündiger Fahrt in totaler Dunkelheit in Maizet angekommen sind
und sie sich nur mit Gesten, Blatt und Bleistift als Übersetzungshilfe verständigen
konnten. Wie sollte sich da eine Freundschaft entwickeln, fragte sie sich damals.
Heute weiß sie, welche Kräfte in einer gelebten Partnerschaft stecken
und sie setze ihre ganze Hoffnung nun auf die nachwachsende Jugend.

Bürgermeister Peter Zenglein versprach in seiner Jungfernrede vor französischem Publikum,
er werde die Komitees unterstützen und die begonnene Freundschaft weiterführen.
Er habe bei seinem ersten Besuch unbeschreibliche Herzlichkeit und Offenheit erleben dürfen.
Symbolisch verschenkte er an seine Bürgermeisterkollegen die blühfreudige Kletterpflanze
»Je länger je lieber« und merkte an, dass man sich schätzen und lieben lerne,
je länger man sich kenne. Auch die Mitglieder des französischen Partnerschaftskomitees
freuten sich über ihr Blütengeschenk aus deutscher Züchtung. Altbürgermeister
Michael Rosner überreichte seinem Partnerschaftsmitbegründer Jacques Benoist,
seit 2008 ebenfalls nicht mehr im Bürgermeisteramt der Gemeinde Vacognes-Neuilly,
nebst großen Dankesworten einen Spaten für die Gartenarbeit, die bekanntlich
glücklich mache. Nach dem offiziellen Zeremoniell luden die Franzosen zum gemeinsamen
und gewohnt üppigen Essen. Bis nach Mitternacht wurde das Tanzbein geschwungen,
ausgelassen gesungen und gelacht. Es war alles dabei: Walzer, Tango, Rumba, Twist,
Rocknroll und mehr. Eine französische Tanzpartnerin benotete und beurteilte
gleichzeitig den Johannesberger Tänzer ganz charmant mit wunderbaren Akzent:
»Wir machen nicht dasselbse!« Im Hintergrund veranschaulichte eine bebilderte
»Power Point-Präsentation« die chronologische Entwicklung der Partnerschaft
und zeigte den »Neuen«, was sich alles in den zwanzig Jahren getan hat.

Mit leckerem Lunchpaket und mit ebenso großer, aber schon gewohnter Verspätung
ging es auf die Autobahn in Richtung Spessart. Nach der »Knutschorgie«
- wie sich ein Chauffeur ausgedrückt hat - bleiben nach wunderbaren, erlebnisreichen
drei Tagen neuerlich tiefe Eindrücke mit unbeschreiblicher Herzlichkeit.
Nur der kann sie in etwa beschreiben, der dabei gewesen ist. Der zweite Abstecher führte,
nachdem man Paris sehr schnell passieren konnte, auf eine kleine Anhöhe zur Mühle von Valmy,
etwa 10 Kilometer westlich von Sainte-Menehould im Departement Marne gelegen.
Anne Trampf, Französischlehrerin in Johannesberg, erklärte die Hintergründe des besonderen
historischen Ortes: Die Kanonade von Valmy markierte am 20. September 1792 den
Wendepunkt des ersten Koalitionskrieges in der französischen Revolution.
Die Mühlenflügel sollen sogar eine Art »Code« gewesen sein.
Johann Wolfgang von Goethe, der in Begleitung des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach
an dem Feldzug teilgenommen hat, schrieb später in seinem Bericht,
er habe am Abend nach der Kanonade von Valmy im Kreis einiger Offiziere
den Ausspruch getan: »Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus,
und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen«. Kurz nach dieser Schlacht wurde
in Frankreich die Republik ausgerufen.

Die europäische Geschichte bleibt großer Bestandteil der Johannesberger Partnerschaft,
denn schon wird für September diesen Jahres eine einwöchige Studienfahrt an die
»Schlösser der Loire« organisiert. Die Johannesberger Partnerschaft bleibt somit weiterhin lebendig,
zudem 2010 der 20. Jahrestag »Unterzeichnung der Urkunde« und ein Jahr später in der
Normandie die Gegenzeichnung des gemeinsamen Versprechens gefeiert wird.

                                  

Picknick in Gottes freier Natur ist für jedermann normal. Aber Picknick mitten in der Stadt
und noch dazu in der Nähe einer Fülle von Lokalen dürfte weniger Alltagstauglich sein.
An den Treppenstufen von Cabourg - unmittelbar am Ärmelkanal - wird das gekühlte Essen
ausgepackt und genüsslich zu Mittag gegessen. Partnerschaft ist eben nicht Reisegesellschaft,
Hotel und reiner Urlaub, sondern gelebte Familie mit liebgewonnenen Gepflogenheiten,
die man in Deutschland in dieser Form wohl eher weniger antreffen kann.

                                 

Viele Gemeinden im Departement Calvados haben sich die »Orne« - einem Fluss an
und in der normannischen Schweiz gelegen - als Beinamen zugelegt. Der ruhige,
dann wiederum etwas lebhaftere Fluss wird für vielerlei Aktivitäten genutzt.
Bei Clecy, einer kleinen Ortschaft in der normannischen Schweiz, kann man
Tretboot oder Könner gar Kanu fahren. Dieser Aktivposten war aber eher der
Jugend vorbehalten.
Die meisten blieben im Trockenen und genossen den naturnahen Spaziergang am Ufer der »Orne«.

                                    

Bürgermeister Peter Zenglein ließ bei seiner ersten Begegnung in der Normandie Blumen
sprechen und schenkte seinen Bürgermeisterkollegen je eine Kletterpflanze mit der sinnigen
Bezeichnung »Je länger je lieber«. Gleichzeitig verschwieg er nicht, dass er von dieser großen
Gastfreundschaft, die er erfahren durfte, sehr angetan sei. Auch wenn die Freunde
des »I.C.L - Val orne Ajon« die Organisatoren und Träger der normannischen Partnerschaft
sind, so sprach er gerne an seine Kollegen die Einladung aus, im nächsten Jahr den
Johannesbergern die Ehre zu geben und die 20-jährige Freundschaft mitzufeiern.

                                   

Auch das französische Partnerschaftskomitee, die Johannesberger Seele im Departement
Calvados, beschenkte Peter Zenglein mit dem Geisblatt »Je länger je lieber«.
Die Pflanzen haben allesamt unbeschadet die Busfahrt gut überstanden.


Mehr Bilder der Partnerschaftsfahrt 2009 finden Sie hier.




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