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 Partnerschaftskomitee

Gemeinde Johannesberg

Val Orne-Ajon

                        
 
 
20 Jahre Partnerschaft Johannesberg - Val Orne Ajon
Am meteorologischen Tag der »kalten Sophie«, die ihrem Namen alle Ehre machte,
schenkten die Johannesberger ihren Gästen aus Frankreich als Freundschaftsbeweis
für jede ihrer neun Partnergemeinden jeweils einen Schneeschieber.
Zum 20. Jubiläum der Partnerschaft zeigte sich Johannesberg wieder von seiner gastfreundlichsten Seite.
Die Steinbacher »Liedertafel« empfing und stärkte die 60 Franzosen nach 14-ständiger Busfahrt bei ihrer Ankunft an Christi Himmelfahrt im Probenraum der »alten Schule«. Ein Banner - vor 20 Jahren eigens angefertigt - begrüßte über dem Schulhof die Normannen in Schriftform mit »Bienvenue« - »Herzlich Willkommen«. »Kaffee-Kuchen« ist ein feststehender Begriff im Ritual der Begrüßung. Die anschließende Aufnahme in die Gastfamilien gehört schon lange in die Kategorie »Routine«, denn man ist im Laufe der Jahre selbst zu einer großen Familie zusammengewachsen, man kennt, freut sich und hat sich viel zu erzählen.
Am Freitag sah das Programm die Erfahrung und die Entfaltung aller Sinne im Wiesbadener Schloss Freudenberg vor. In der zweisprachigen, pädagogisch unterlegten Führung genossen die Gäste aus Frankreich die fachkundigen Ausführungen. Nach dem Picknick unter der Schlosstreppe bestaunten sie in der Stephanskirche des benachbarten Mainz die berühmten Chagall-Fenster. Die nachfolgende Stadtführung und das gemeinsame Abendessen füllten den zweiten Besuchstag voll und ganz aus.
Mit ein wenig Bauchweh blickten die Organisatoren den gesamten Samstagmorgen in Richtung auf den wolkenverhangenen Himmel. Hält das Wetter oder hält es nicht? Kann die große Feier am Nachmittag vor der Schule im Freien stattfinden, lauteten die bangen Fragen. Die »kalte Sophie« mit gefühlten fünf Grad hielt aber die befürchteten Regentropfen oben und Hildegard Rosner, die Vorsitzende des Johannesberger Partnerschaftskomitees, konnte mit der großen Zuschauerschar auch eine Reihe von Ehrengästen begrüßen. Ihre Erklärung, weshalb die große Feier unter freiem Himmel stattfinden musste, war einleuchtend, denn das in Szene gesetzte Stück der Schulkinder funktionierte nur »draußen«.
Mit einem Auszug aus Händels Feuerwerksmusik eröffnete der Johannesberger Musikverein den großen offiziellen Festakt. Das Musikerensemble bestimmte mit den Fahnenabordnungen und dem großen Zuschauerrondell vor dem Schulgebäude den passenden äußerlichen Rahmen.
In ihrer Eingangsrede war es Hildegard Rosner wichtig, auf die Entstehung der Partnerschaft einzugehen und die herausragenden chronologischen Stationen aufzuzeigen. Diese länderübergreifende und vor allem tiefe Freundschaft bereicherte das Leben vieler Menschen, gab ihnen einen neuen Inhalt und das Gefühl, unmittelbar am Frieden Europas mitzuwirken. In 20 Jahren musste aber auch von lieben Menschen für immer Abschied genommen werden. Wie abgestimmt bringen sich sodann mit Katharina Kreis und Simone Schreiter die Kindergartenkinder ein, denen bei französisch vorgetragenen Texten die Bewunderung ihrer Zuhörer gewiss war. Sie werden einmal Nutznießer dieser friedensstiftenden Verbindung sein und - so die Hoffnung - das gemeinsame Versprechen leben.
Voll der Dankbarkeit zeigte sich Christine Marie, die Vorsitzende des französischen Partnerschaftskomitees, in ihrer Ansprache. Die gemeinsamen, jährlich abwechselnden Begegnungen sind in den 20 Jahren zu einem festen Bestandteil höchster Wertschätzung gewachsen.
Im Walde von Toulouse spielten die »Viertklässler« der Grundschule unter Anleitung ihrer Lehrerin Maria Englert Räuber und Gendarm. Das dicht bewachsene Buschwerk vor dem Schulgebäude eignete sich bestens als »Polizeiversteck« für diese Aufführung und die unmittelbare Verhaftung der »Wegelagerer«. Die Festansprache übernahm Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel höchstpersönlich, dem mit Magalie Hofmann und Barbara Hoglund gleich zwei Übersetzer zur Seite standen. Er bewertete die lebendige sowie aktive Partnerschaft zwischen Johannesberg und Val Orne Ajon (Tal der Orne), einem Synonym für den Zusammenschluss von neun Gemeinden in der Normandie, als schwungvoll, ideenreich und kontinuierlich. Der »deutsche Michel« und die »französische Marianne« hätten sich zwar lange Jahre schwer miteinander getan, brachten es aber letztlich fertig, alte Feindschaften zu begraben. Partnerschaften seien deshalb - und gerade in den jetzt finanziell schwierigen Krisenzeiten - ein Modell für ganz Europa. Die Johannesberger Partnerschaft sei so lebendig und facettenreich, wie man es sich nur wünschen kann, würdigte der Bezirkstagspräsident »mit den ehemaligen Bürgermeistern Jacques Benoist und Michael Rosner die Pioniere« aus beiden Ländern. Zum »Angelus« wird seine Rede - fast wie bestellt - durch das Glockengeläut der nahegelegenen Pfarrkirche bekräftigt. Der Jugendchor der Chorgemeinschaft Johannesberg - an der Gitarre von Timo Koch begleitet - erhob und unter der Leitung von Katja Plener mit drei Liedvorträgen seine Stimme.
Die stellvertretende Landrätin, Andrea Lindholz, deren Gedanken von ihrem Ehemann in die französische Sprache übersetzt wurde, würdigte für den Landkreis Aschaffenburg das Partnerschaftsjubiläum. Bürgermeister Peter Zenglein verglich die Partnerschaft mit der Errichtung und der Pflege einer Wegstrecke. Viel begangen könne sie nicht zuwachsen und bleibe deshalb stets begehbar.
Mit einem kleinen Umtrunk und guten gemeinsamen Gesprächen schloss der große, bestens vorbereitete Festakt. In der Schulturnhalle war alles für das große Abendbuffet gerichtet. Die Johannesberger Partnerschaftsmitglieder warteten dort mit einer besonderen Überraschung auf. In Anspielung auf den strengen Winter, den in diesem Jahr auch die nördlich gelegenen französischen Gemeinden zu verkraften hatten, erhielten die »Offiziellen« aus Avenay, Amayé sur Orne, Maizet, Montigny, Preaux Bocage, Maisoncelles/Ajon, Sainte Honorine du Fay und Vacognes-Neuilly und Trois Monts jeweils einen Schneeschieber als Geschenk. Das Johannesberger Partnerschaftskomitee brachte in Erfahrung, dass die dortigen Gemeinden mit den ungewöhnlichen Schneemengen schier überfordert waren. Schneeschieber gehören nämlich weder im Privathaushalt noch im »normannischen Bauhof« zur normalen Ausrüstung. Die Frontseite der handlichen Räumschilder präparierte Marc Heim mit der Aufschrift: »Cadeau amical de Johannesberg - responsable pour la neige« (Freundschaftsgeschenk aus Johannesberg - einzusetzen bei Schnee). Bis weit nach Mitternacht wurde kräftig getanzt und ausgelassen gefeiert. Jacques Benoist, der Gründungsvater auf französischer Seite, beschenkte den »freien Mann und Musiker« Michael Rosner mit einem großen Buchhalter. Er bedankte sich auch bei den Partnerschaftsinitiatoren der ersten Stunde, Siglinde Schißler und Bernd Singelmann. Der Bürgermeister der Gemeinde Amayé, Sylvain Colino, überbrachte die Grußworte seiner französischen Kollegen. Das Johannesberger Komitee erhielt einen handgestickten Wimpel und Bürgermeister Peter Zenglein nahm für die Gemeinde die Geschenke entgegen. Anne und Walter Trampf, Corinna Franz, Sieglinde Schißler, Franz Riedel brachten sich als Übersetzer ein und waren vor Ort Beweis für wachsende deutsch-französische Sprachkultur.
Unter den Leitgedanken »Damit ihr Hoffnung habt« und »Schritte wagen im Vertrauen auf einen guten Weg…« stand der gemeinsame Gottesdienst in der Pfarrkirche »Sankt Johannes Enthauptung«. Pfarrer Nikolaus Hegler hielt mit Diakon Alexander Fuchs und der »Klangfarbe« Johannesberg einen feierlichen Gottesdienst. In der Messe wurde der Seelen beider Gemeinden, der Opfer der Kriege, von sinnloser Gewalt und derjenigen Menschen gedacht, die sich für Frieden, Versöhnung und der Partnerschaft eingesetzt haben und bereits verstorben sind.
Auf dem Kirchplatz verteilte das französische Partnerschaftskomitee den aus dem Calvados mitgebrachten »Cidre« und reichte köstliches Gebäck. Gegen Mittag nahmen die überglücklichen Gäste mit reichlich positiven Eindrücken Abschied von Johannesberg, der sich gewohnheitsgemäß immer gehörig in die Länge zieht. Beiderseits wird beteuert, dass bereits jetzt die Vorfreude auf die nächstjährige Begegnung in der Normandie groß ist. Um Mitternacht fuhr der Bus in Sainte Honorine du Fay ein und per »Portable« wurde sogleich mit großem Dank nach Johannesberg gemeldet, dass alle wohlbehalten angekommen sind und die Eindrücke bleibend sein werden.

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